Dopplersonographische Untersuchungen in der Schwangerschaft

Die Dopplersonographie ist zum integralen Bestandteil in der Überwachung der Risikoschwangerschaft geworden. Schätzungen aus Metaanalysen (Alfirevic Z, Neilson JP. Doppler ultrasound in high-risk pregnancies: systematic review with meta-analysis. Am J Obstet Gynecol 1995; 172: 1379-1387) weisen eine erhebliche Abnahme der perinatalen Mortalität nach, wenn diese Methode richtig angewendet wird. Dem tragen die Mutterschaftsrichtlinien Rechnung, indem sie seit 1995 die Anwendung der Dopplersonographie bei folgenden Indikationen vorsehen (Tab. 1):

  • Verdacht auf intrauterine Wachstumsretardierung: Bei Nachweis einer fetalen Retardierung kann mit der Dopplersonographie in Kombination mit weiteren Methoden der fetalen Überwachung (Kardiotokographie und biophysikalisches Profil) der Gefährdungszustand des Feten eingeschätzt und Maßnahmen wie engmaschigere Schwangerschaftsüberwachung, stationäre Beobachtung oder die Entbindung individuell geplant werden.
  • Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie, Präeklampsie und Eklampsie: Eine uteroplazentare Perfusionsstörung tritt bei Erkrankungen aus dem Bereich der Präeklampsie häufig und in der Regel früh im Krankheitsgeschehen auf und kann somit Patientinnen identifizieren, die ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Präeklampsie im weiteren Schwangerschaftsverlauf aufweisen.
  • Z.n. schweren Schwangerschaftskomplikationen, wie Präeklampsie, intrauteriner Fruchttod und schwere fetale Wachstumsretardierung.
  • Mehrlingsschwangerschaft mit diskordantem Wachstum: Die Dopplersonographie in der Kombination mit weiteren Methoden der fetalen Überwachung erlaubt bei diskordanten Mehrlingen eine Abschätzung des Gefährdungsgrades der Feten und die Planung des weiteren Vorgehens.
  • Auffälligkeiten der fetalen Herzfrequenzregistrierung, begründeter Verdacht auf Fehlbildung oder fetale Erkrankung und die Abklärung bei Verdacht auf oder nachgewiesenem fetalem Herzfehler sind weitere Indikationen der Dopplersonographie, auf die im weiteren eingegangen werden soll.

Bei den angeführten Indikationen sollte der Schwangeren eine dopplersonographische Untersuchung angeboten werden. Daneben sind zahlreiche weitere Indikationen der Dopplersonographie, wie zum Beispiel zur fetalen Anämiediagnostik, denkbar.

Die derzeit wichtigsten Methoden zur Überwachung der Risikoschwangerschaft sind die Fetometrie, das biophysikalische Profil, die Bestimmung der Fruchtwassermenge, die Kardiotokographie und die Dopplersonographie. Mit der dopplersonographischen Untersuchung (vor allem der Umbilikalarterie) kann besser eingeschätzt werden, welche Ursache der fetalen Wachstumsretardierung zugrunde liegt. Bei pathologischem Ergebnis der dopplersonographischen Untersuchung in den Uterin- und/oder Umbilikalarterien kann in vielen Fällen unter engmaschiger stationärer Beobachtung zugewartet und somit das Risiko der Frühgeburt verringert werden. Eine Entbindungsindikation kann in der Regel nicht aus dem dopplersonographischen Ergebnis allein, sondern nur in Verbindung mit dem Schwangerschaftsalter und anderen Untersuchungen des fetalen Zustandes abgeleitet werden.

Indikation zur Dopplersonographie des feto-maternalen Gefäßsystems (nach den Mutterschaftsrichtlinien von 1995)

Verdacht auf intrauterine Wachstumsretardierung
Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie/Präeklampsie/Eklampsie
Zustand nach Mangelgeburt/intrauterinem Fruchttod
Zustand nach Präeklampsie/Eklampsie
Auffälligkeiten der fetalen Herzfrequenzregistrierung
Begründeter Verdacht auf Fehlbildung/fetale Erkrankung
Mehrlingsschwangerschaft bei diskordantem Wachstum
Abklärung bei Verdacht auf Herzfehler/Herzerkrankung