17.12.2019

Jubiläumssymposium „250 Jahre Kaiserschnitt an der Charité“

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Am Mittwoch, dem 11. Dezember 2019 fand die Jubiläumsveranstaltung „250 Jahre Kaiserschnitt an der Charité“ in der Hörsaalruine des Medizinhistorischen Museums an der Charité statt.

Zu Beginn der Tagung berichteten Herr Professor David und Herr Professor Ebert über die Geschichte der Sectio caesarea und insbesondere über die erste Sectio vor 250 Jahren an der Charité durch Friedrich Joachim Henckel.

Nach einer hohen Mortalität des Eingriffs kam der Durchbruch Mitte des letzten Jahrhunderts durch die Einführung von Antibiotikatherapie, Narkosemöglichkeiten, optimierter Operationstechnik und neueren Nahtmaterialien. Daher entwickelte sich zum Ende des letzten Jahrhunderts zunehmend die Nachfrage nach präventiv durchgeführten Sectiones.

Frau Dr. Klapp stellte in ihrem Referat den Ambivalenzkonflikt zwischen einer sog. Präventivsectio ohne medizinische Indikation auf Begehren der Schwangeren der sog. „Strafsectio“ gegenüber. Letztere definierte sie als notwendige, z. B. sekundäre Sectio, welche trotz dringendem Wunsch nach einer natürlichen Geburt von der Patientin von derselbigen als Misserfolg empfunden wird.

Um den Charakter der Operation in den Hintergrund treten zu lassen und die Geburt in den Vordergrund zu stellen, berichtete Herr Professor Henrich von der nunmehr 7-jährigen Erfahrung mit der Kaisergeburt bei fast 10.000 Schnittentbindungen. Die durchweg positive Resonanz über diese Form des sanften Kaiserschnitts bestärkt die Klinik für Geburtsmedizin, an dem Konzept festzuhalten. Mütter und Väter nehmen im entscheidenden Moment der operativen Geburt trotz Schnittentbindung an der Geburt teil, in dem die Sicht auf das Kind zugelassen wird. Nach Abnabeln darf der Vater die Nabelschnur durchtrennen, und das Kind wird unmittelbar danach auf den Oberkörper der Mutter zum frühen Haut-zu-Haut-Kontakt gelegt.

In Operationsvideos über die einzelnen Operationsschritte demonstrierte Herr OA Dr. Hinkson die Kaisergeburt, wie sie an der Charité in aller Regel in regionaler Betäubung durchgeführt wird.

Um die Komplikationen und schwierigen Sectiones in der Austreibungsperiode durch eine vaginal operative Geburt zu vermeiden, gab Herr Professor Tutschek aus Zürich einen umfangreichen Überblick über die Methode der intrapartalen Sonographie von den Anfängen 2004 bis zu dem heutigen Tag. Die in der Charité entwickelte intrapartale Songoraphie vor einer vaginal operativen Geburt hat sich in den letzten 15 Jahren zu einem eigenen Forschungsthema entwickelt, so dass sich eine internationale Gesellschaft über den Ultraschall unter der Geburt gegründet hat.

Gerade weil die schwierige Sectio in der Austreibungsperiode möglichst vermieden werden soll, müssen Erfolgskriterien für eine erfolgreiche vaginal operative Geburt weiter erarbeitet werden.

Schwierige Sectiones haben höhere urogynäkologische Komplikationen. Herr OA Dr. Neymeyer aus der Klinik für Urologie berichtete dazu von einer Reihe von Früh- und Spätkomplikationen nach Ureter- oder Harnblasenverletzungen. Entscheidend ist die frühe Diagnose zur Vermeidung von Früh- oder Spätkomplikationen. In der Regel können mit einem laparoskopischen oder transvesikalen Zugang Läsionen erfolgreich behandelt und Spätkomplikationen abgewendet werden.

Abschließend berichtete Herr Professor Keil aus dem Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, dass Kaiserschnittkinder wahrscheinlich keinem signifikanten Risiko für Allergien und Asthma im weiteren Leben ausgesetzt sind. Die dazu veröffentlichten Metaanalysen weisen erhebliche methodische Fehler und die Nichtbeachtung von sog. „Confoundern“ auf. Seine eigenen Daten aus einem großen Register mit einem langen Nachbeobachtungszeitraum lassen große Zweifel an der Korrelation zwischen der Kaiserschnittgeburt und dem Auftreten von Allergien bzw. Asthma im späteren Leben aufkommen.

Nach einer kurzen Kaffeepause erklang das Kaiserquartett (ein Streichquartett von Joseph Haydn), gespielt von hochkarätigen Musikern. Ein besonderer Dank gilt hier den Streichern Chie Peters, Markéta Janoušková, Juan Lucas Aisemberg und Ehrengard von Gemmingen.

Die Veranstaltung klang in feierlicher Atmosphäre bei Glühwein und Kaiserschmarrn aus.

Kontakt

Janine Schweiger

Chefsekretariat Prof. Henrich Campus CVK: Tel. 450 564 072 Campus CCM: Tel. 450 564 182CharitéUniversitätsmedizin Berlin

Postadresse:Augustenburger Platz 113353 Berlin

Campus- bzw. interne Geländeadresse:Mittelallee 9

CVK, Mittelallee 9


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