Geburtsklinik der Charité Berlin: Banner der Kampagne "Mein Kind will keinen Alkohol" hängen beiderseits des Eingangs der Glashalle auf dem Campus Virchow-Klinikum, Foto: Charité

Alkohol in der Schwangerschaft

Jeglicher Konsum von Alkohol  in der Schwangerschaft kann ein Risiko für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes darstellen. Es gibt weder "gesunden" Alkohol, noch ist eine Alkoholmenge bekannt, die sicher keinen Schaden verursacht.

Wenn es Ihnen schwerfällt auf Alkohol zu verzichten, wenn Sie eine ausführliche Beratung wünschen, oder wenn Sie einfach nur ein paar Fragen stellen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Sprechstunde.

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Informationen zu Alkoholkonsum in der Schwangerschaft

Eine zerbrochene Weinflasche als Logo zum Thema Alkohol.
"Ambulanz für Suchterkrankungen und Infektionen in der Schwangerschaft" der Klinik für Geburtsmedizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin.
Copyright Jan-Peter Siedentopf
  • Eigentlich wissen es alle: Schwangere sollen keinen Alkohol trinken.
  • Eigentlich ist es auch ganz einfach: trinken Sie keinen Alklohol in der Schwangerschaft.
  • aber...

Wir beantworten Ihre Fragen zum Thema Alkohol in der Schwangerschaft, geben einen Überblick über den Stand der Wissenschaft und bieten Hebammen, Ärztinnen und Ärzten und natürlich Ihnen den Diagnosebogen "Berliner EvAS" zum Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zum Download an.

Ich wusste ja noch nichts von meiner Schwangerschaft...

Die Frage welche Bedeutung Alkoholkonsum ganz früh in der Schwangerschaft hat wird häufig gestellt. Leider ist die Antwort nicht ganz einfach. Oft wird das sogenannte "Alles-oder-Nichts"-Prinzip angeführt. Demnach kommt es in der Frühschwangerschaft entweder zum Absterben der Schwangerschaft oder zu einer gesunden Entwicklung. Offenbar scheint dieses Prinzip tatsächlich meistens so zu funktionieren, in einzelnen Fällen kommt es aber trotzdem zu einer Schädigung des Embryos durch den Alkohol.

Daher ist es die sicherste Vorgehensweise bei geplanter oder möglicher Schwangerschaft spätestens ab der zweiten Zyklushälfte komplett auf Alkohol zu verzichten. Dies gilt natürlich gerade dann, wenn Sie sich in einer Kinderwunschbehandlung befinden.

Jetzt wissen Sie von Ihrer Schwangerschaft und den Gefahren durch Alkohol und sollten daher auf jeden weiteren Alkoholkonsum verzichten.

Alkoholfrei durch die Schwangerschaft?

Eine in der Schwangerschaft gänzlich unbedenkliche Alkoholmenge kann nicht festgelegt werden, daher empfehlen wir Schwangeren generell auf das Trinken von alkoholhaltigen Getränken zu verzichten. Auch geringe Alkoholmenge stehen im Verdacht die Häufigkeit von Wachstumsstörungen und Frühgeburten zu erhöhen.

Sogenannte "alkoholfreie" Getränke können eine geringe Menge Alkohol enthalten (bis zu 0,5%), dies steht auf dem Etikett leider oft im "Kleingedruckten". Bei einem halben Liter Bier entspricht dies etwa 2,5 ml reinem Alkohol pro Bier.  Für uns ist dies einer der Gründe weshalb Kinder kein "alkoholfreies" Bier trinken sollten. (Zum Vergleich: ein Glas Schnaps (40%, 0,02 l) enthält etwa 8 ml reinen Alkohol.) 

Schwangere, die ein "alkoholfreies" (0,5%) Bier langsam trinken ermöglichen ihrem Körper den zugeführten Alkohol schnell abzubauen, eine Gefährdung des Kindes ist daher wohl nicht zu erwarten. Mehrere Biere rasch hintereinander getrunken sind anders zu bewerten, da der Alkoholabbau über die Leber auch von der getrunkenen Alkoholmenge abhängt.
Wird täglich ein halber Liter alkoholfreies Bier getrunken, entspricht dies insgesamt etwa der Alkoholmenge von einem Glas Wein pro Woche.

Manche als "alkoholfrei" verkaufte Getränke sind tatsächlich alkoholfrei und enthalten 0,0% Alkohol.
Wenn Sie ganz ruhigen Gewissens ein Bier genießen möchten, sollten Sie in der Schwangerschaft auf diese 0,0%-Varianten ausweichen. Sie sollten auch mit diesen Getränken allerdings nicht die Hauptmenge an Flüssigkeit zu sich nehmen, da bieten sich eher ungesüßte Früchtetees oder Wasser an.

Ein Gläschen wird doch wohl erlaubt sein?

Ja und Nein.

Von einem einzigen Standardglas eines alkoholischen Getränkes geht vermutlich keine Gefahr aus - aber seien Sie ehrlich: Welcher Anlass ist der Richtige in den neun Monaten Schwangerschaft um Alkohol zu trinken? Der positive Schwangerschaftstest sicherlich nicht! Erwarten Sie in den nächsten 9 Monaten noch ein tolleres Ereignis?

Also können Sie auch gleich auf den Konsum alkoholhaltiger Getränke verzichten - zumal es gute alkoholfreie Alternativen gib.

(Nicht nur) für Hebammen, Ärztinnen und Ärzte

Liebe Hebammen, liebe Kolleginnen und Kollegen,

jedes Jahr werden in Deutschland etwa 2000 Kinder mit einem fetalen Alkoholsyndrom und weitere 10 - 20.000 Kinder mit FASD geboren. Damit stellen embryonale und fetale Folgen maternalen Alkoholkonsums die wichtigste (fast) komplett vermeidbare Ursache für angeborene Fehlbildungen dar. Trotzdem kommt das Thema Alkohol in der Schwangerschaft in unseren Beratungen immer noch viel zu kurz.

Unterstützen Sie Ihre Patientinnen bei dem Bestreben ein gesundes Kind zu bekommen indem Sie die eindeutige Empfehlung aussprechen: "Alkohol und Schwangerschaft vertragen sich nicht".

  • Zur Kreislaufanregung am Morgen eignen sich Tee und Kaffee sehr viel besser. Niedriger Blutdruck ist keine, bzw. nur selten, eine Krankheit sondern eher ein Gesundheitsvorteil.
  • Zum "Runterkommen" ist Yoga eine gesündere Alternative. Zur Not können auch Baldriandragees (keine alkoholhaltigen Tropfen) helfen.
  • "Alternative" Methoden zur Geburtseinleitung mit Wehencocktails funktionieren genau so gut ohne den Zusatz von Bier, Sekt oder hochprozentigem Alkohol.
  • Auch die Kinder von Frauen die in der Schwangerschaft geringe Mengen (<32g/Woche) Alkohol trinken, scheinen häufiger Wachstumsstörungen und Frühgeburten zu erleiden (Quelle: Mamluk et al., BMJOpen 2017).

Machen Sie Alkohol zu einem Thema in Ihrer Beratung - nicht nur bei Schwangeren, sondern auch bzw. gerade bei Frauen die eine Schwangerschaft planen.

Nutzen sie gerne den von uns entwickelten Anamnesebogen "Berliner EvAS", den Ihre Patientinnen auch selbst im Wartezimmer ausfüllen können.

Hier könne Sie den Fragebogen "Berliner EvAS" herunterladen.

 

 

 

 

Beratung und vertrauensvolles Gespräch (Berliner EvAS)

Berliner Evaluationsbogen für Alkoholkonsum in der Schwangerschaft

Häufig wird die eigentlich zu jedem Erstgespräch mit einer Schwangeren dazugehörende Frage nach dem Alkoholkonsum nicht gestellt oder nicht ehrlich beantwortet. Wir glauben das dies an einem schambesetzten Umgang mit dem Thema Alkohol und Schwangerschaft liegt. Jeder weiß das Schwanger nicht "trinken" sollen. Aber "ein Gläschen in Ehren", zum Beispiel weil heute doch Geburtstag gefeiert wird — ist das wirklich ein Problem? Und muß ich das eine Glas zu Silvester denn wirklich angeben?

Wir glauben zu einer guten Beratung gehört das vertrauensvolle Gespräch über alle wesentlichen Punkte, also auch über das eine Glas.

Nutzen Sie unseren Fragebogen als Einstieg in ein vertrauensvolles Gespräch über Alkohol in der Schwangerschaft und wenden Sie den Fragebogen im Verlauf der Schwangerschaft wiederholt an um Änderungen frühzeitig zu erfassen.

Hier könne Sie den von uns entwickelten Fragebogen "Berliner EvAS" in der aktuellen Version 3.0 herunterladen.

Kontakt zur Ambulanz für Suchterkrankungen und Infektionen in der Schwangerschaft

Dr. med. Jan-Peter Siedentopf

Oberarzt, Leiter der Ambulanz für Suchterkrankungen und Infektionen in der Schwangerschaft

Dr. med. Jan-Peter Siedentopf