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Cytomegalievierus (CMV): Beratung, Behandlung, Forschung

Eine erstmalige Infektion mit Cytomegaliviren (CMV) in der Schwangerschaft kann zur Erkrankung des ungeborenen Kindes führen. Dies betrifft etwa 0,5% der Schwangeren in Deutschland. Die Ansteckung erfolgt als Tröpfcheninfektion, also durch Kontakt zu Spucke und Urin von ansteckenden Personen.
Durch hygienisches Verhalten, insbesondere im Umgang mit Kleinkindern, kann das Risiko verringert werden.

Weitere Informationen zu CMV finden Sie auf dieser Seite.

 

 

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Ihre Befunde und wenn möglich Ihren Überweisungsschein senden Sie uns bitte wie folgt zu:

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Zum Termin selbst bringen Sie bitte Ihren Mutterpass, einen Überweisungsschein und alle Befunde zu CMV mit – auch ältere Blutuntersuchungen und Ultraschallbefunde.

Wir bemühen uns Ihnen möglichst kurzfristig einen Termin anzubieten. Bitte haben Sie jedoch Verständnis falls es doch mal etwas länger dauert, die Termine mit Wartezeiten verbunden sind oder Ihnen Termine zu ungünstigen Zeiten angeboten werden.

Soll ich mich auf CMV Untersuchen lassen?

Die AWMF-Leitlinie zur Labordiagnostik von Viruserkrankungen in der Schwangerschaft empfiehlt auf S.190 die Untersuchung jeder Schwangeren auf CMV, insbesondere jedoch bei Frauen die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Dies kann berufsbedingt, zum Beispiel bei engem Kontakt zu Kindern, z. B. bei Kindergärtnerinnen, bei der Arbeit in Gemeinschaftseinrichtungen wie Behindertenwohnheimen, aber auch bei Müttern von Kindergartenkindern der Fall sein. Entscheiden Sie sich für die Testung, sollte der CMV-Status so früh wie möglich in der Schwangerschaft erhoben werden. Planen Sie eine Schwangerschaft, könnten Sie sich bereits vor der Schwangerschaft testen lassen - dies wird insbesondere Paaren in einer Kinderwunschbehandlung empfohlen.

Im Normalfall wird die Untersuchung nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Warum kann CMV in der Schwangerschaft gefährlich sein?

Auch wenn die meisten (über 60%), Infektionen mit CMV in der Schwangerschaft ohne Folgen für Mutter und Kind verlaufen, stellt eine CMV-Infektion in der Schwangerschaft einen Risikofaktor für angeboren Gesundheitsstörungen des Kindes dar. Am häufigsten sind Hörstörungen, CMV ist (nach der genetischen Vererbung) die wichtigste Ursache für angeboren Hörstörungen. Andere Gesundheitsstörungen können das Sehvermögen, aber auch die geistige und körperliche Entwicklung Ihres Kindes betreffen.

Sehr selten kommt es zu schweren Störungen der Gehirnentwicklung.

Wie wird CMV übertragen?

Die Cytomegalie-Viren (CMV) können durch Speichel, Urin und Blutkontakt übertragen werden. Meistens merkt man den Überträgern nicht an, dass Sie mit CMV infiziert sind. Insbesondere in Kindergärten kann es daher zur gehäuften Infektion kommen, ohne das dies auffällt.

Kann ich eine CMV-Infektion in der Schwangerschaft vermeiden?

Wenn Sie bereits wissen, dass Sie keine Antikörper gegen CMV haben, also eine CMV-Infektion neu bekommen könnten, sollten Sie sich vor einer Ansteckung in der Schwangerschaft schützen. Dazu kann bei beruflichem Risiko eine weniger riskante Tätigkeit (z.B. kein Windelwechseln bei Kindergärtnerinnen) oder sogar ein Beschäftigungsverbot notwendig sein. Als Mutter von Kindergartenkindern sollten Sie selbst, aber auch Ihr Partner oder Ihre Partnerin auf das Essen vom gleichen Löffel und das Aufessen von angefangenen Speisen Ihres Kindes verzichten. Lecken Sie keine heruntergefallenen Schnuller ab und küssen Sie Ihr Kind nicht auf den Mund (Wange und Stirn geht ja auch). Insbesondere beim Windelwechsel müssen Sie auf Hygiene achten.

Wie kann eine CMV-Infektion erkannt werden?

Der häufigste Weg wie eine CMV-Infektion erkannt wird ist mittlerweile eine Blutuntersuchung. Dadurch kann frühzeitig auf die Infektion reagiert werden und frühzeitige Kontrollen, weitere Untersuchungen oder eine Behandlung begonnen werden. Bei einem kleinen Teil unserer Patientinnen ist die CMV-Infektion im Ultraschall aufgefallen, es sind also Hinweiszeichen für eine CMV-Infektion bei der Untersuchung festgestellt worden. Auch in diesem Fall könne wir Sie beraten und Behandlungsmöglichleiten anbieten.

Sehr selten ist entweder die Schwangere oder ein Familienangehöriger an CMV erkrankt und so wird das Risiko für die werdende Mutter und das Kind festgestellt.

Gibt es auch "falsch positive" Blutuntersuchungen?

Gerade in der Frühschwangerschaft kann es bei der Untersuchung auf CMV fälschlich zu einem Infektionsverdacht kommen. Um sich vor Krankheitserregern zu schützen bildet der Körper der Schwangeren - quasi auf Vorrat - Antikörper gegen verschiedene Infektionserreger. Werden diese Antikörper bei der Untersuchung nachgewiesen, führt das zunächst zu einem Verdacht auf eine frische CMV-Infektion. Durch eine Zusatzuntersuchung (Aviditätsbestimmung) lässt sich der falsche Verdacht meistens ausräumen.

Welche Behandlung können Sie mir anbieten?

Leider gibt es derzeit keine zur Behandlung einer CMV-Infektion in der Schwangerschaft zugelassene Therapie. Das übliche Vorgehen besteht daher derzeit aus Ultraschall- und eventuell auch Fruchtwasseruntersuchungen. Diese können wir selbstverständlich auch in unserer Klinik durchführen.


Im Rahmen eines sogenannten "individuellen Heilversuches" können wir Ihnen bisher nicht für die Behandlung in der Schwangerschaft zugelassene, jedoch durch vielfache Anwendung als erfolgversprechend eingeschätzte Behandlungsmöglichkeiten anbieten. Aktuell sind dies die Gabe von Hyperimmunglobulin (Cytotect®) oder Virostatika (Valganciclovir).

Da diese Therapieversuche eine ausführliche Beratung, Antragstellung bei der Krankenkasse und die schriftliche Einwilligung erforderlich machen, ist eine Vorstellung in unserer Sprechstunde erforderlich.

Welche Untersuchungen sollten nach der Geburt erfolgen?

Die Untersuchung von Urin oder Speichel des Neugeborenen innerhalb von zwei Wochen nach der Geburt wird als Standard zur Feststellung einer CMV-Infektion während der Schwangerschaft empfohlen (Leitlinie der AWMF, S. 187).

Außerdem sollte eine Hörtestung erfolgen, die in Deutschland durch das allgemeine Hörscreening abgedeckt ist.

Informieren Sie den weiter behandelnden Kinderarzt auch über das CMV-Risiko, insbesondere natürlich falls Ihr Kind sich mit CMV angesteckt hat.

Sollte eine Infektion Ihres Kindes festgestellt worden sein, werden weitere Untersuchungen erforderlich (z.B. Ultraschall und Augenuntersuchung). Nehmen Sie in diesem Fall gerne Kontakt mit unserer Kinderklinik auf: Infektionsimmunologische Ambulanz

Eine Übersicht bietet auch der Artikel "Management der kongenitalen Zytomegalievirus-Infektion bei Neugeborenen" aus der Zeitschrift "Kinder- und Jugendarzt" Nummer 3/2018 auf Seite 107.

Dr. med. Jan-Peter Siedentopf

Oberarzt, Leiter der Ambulanz für Suchterkrankungen und Infektionen in der Schwangerschaft

Dr. med. Jan-Peter Siedentopf