Lasertherapie bei fetofetalem Transfusionssyndrom

Bei allen monochorialen Zwillingen bestehen Gefäßverbindungen auf der Oberfläche des Mutterkuchens zwischen den beiden Feten. In etwa 10% der Fälle kommt es zu einem schweren Zwillings-Transfusionssyndrom, wobei der „Spender-Zwilling“ (Donor) dem „Empfänger-Zwilling“ (Rezipient) permanent Blut gibt. Durch dieses Ungleichgewicht in der Blutverteilung zwischen den Zwillingen entwickelt der Rezipient ein Polyhydramion (vermehrte Fruchtwassermenge) und der Donor ein Oligo- bis Anhydramnion (zu wenig oder fehlendes Fruchtwasser). Weiterhin kann der Donor im Wachstum zurückbleiben.

In späteren Stadien können veränderte Blutflusskurven (Dopplersonographie) oder Wasseransammlungen im Feten (Hydrops fetalis) gefunden werden. Unbehandelt beträgt die Fehlgeburtsrate beim schweren Zwillings-Transfusionssyndrom bis zu 90 %. Das schwere Zwillings-Transfusionssyndrom kann mittels Ultraschall in der Schwangerschaft diagnostiziert werden. Als Therapie wird die fetoskopische Laserverödung der Gefäßverbindungen auf der Oberfläche des Mutterkuchens empfohlen. Studien haben gezeigt, dass die Laserbehandlung zwischen 16 und 26 Schwangerschaftswochen eine deutliche Verlängerung der Schwangerschaft, eine höhere Überlebensrate eines oder beider Zwillinge und eine bessere neurologische Entwicklung der Kinder zu Folge hatte. 

Wir bieten Ihnen die fetoskopische Laserbehandlung beim schweren Zwillings-Transfusionssyndrom in der Geburtsmedizin der Charité an. Dabei werden unter lokaler Betäubung die Gefäßverbindungen auf der gesamten Plazentaoberfläche per Laser verödet (Salomon Technik). Nach dem Eingriff wird wöchentlich mittels Ultraschall die Entwicklung der Kinder kontrolliert. Es besteht die Möglichkeit, mit 32 Schwangerschaftswochen ein fetales MRT durchzuführen. Damit kann das Gehirn der Zwillinge sehr detailliert beurteilt werden. Werden die Zwillinge in der Charité geboren, werden wir mit Ihrem Einverständnis Nabelschnurblut einlagern. In Kooperation mit der „Stem Cell Facility“ der Charité werden aus dem Nabelschnurblut Stammzellen isoliert. In naher Zukunft könnten diese eigenen Stammzellen einem Zwilling, der eine Entwicklungsstörung des Gehirns nach der Geburt entwickelt, als regenerative Therapie helfen. 

Sollten Sie Fragen zu dem Thema haben, können Sie gerne mit OA PD Dr. C. Bamberg (christian.bamberg@charite.de), PD Dr. S. Verlohren (stefan.verlohren@charite.de) oder CA Prof. Dr. W.Henrich (wolfgang.henrich@charite.de) Kontakt aufnehmen.